07.02.2011 / Artikel / /

Jubiläumsfeier „40Jahre Frauenstimmrecht“

„Frauen arbeiten, Männer ellbögeln“

Jubiläum 40 Jahre Frauenstimmrecht , Grossratsgebäude, Aarau, 7. Februar 2011
Esther Egger, Nationalrätin CVP, Kirchdorf

Liebe Frauen
Geschätzte Herren

„Frauen arbeiten, Männer ellbögeln“
Diese Aussage ist mir letzte Woche in der AZ ins Auge gestochen. Wo liegt nun aber die Wahrheit?

Wenn ich an die Vorkämpferinnen für das Frauenstimm- und Wahlrecht  denke, dann stimmt diese Aussage sicher nicht. Ohne Arbeit und Ellbogen hätten diese Frauen wohl niemals ihr Ziel erreicht.
Heute dürfen wir vom Engagement von Frauen wie Gabrielle Nanchen, Emilie Lieberherr, Liliane Uchtenhagen, Judith Stamm, Elisabeth Kopp und vielen weiteren profitieren. Ganz herzlichen Dank all diesen Frauen!

Es ist kaum mehr  vorstellbar, dass einmal argumentiert wurde,  die Idee eines Frauenwahlrechts sei eine aus dem Ausland importierte, unschweizerische Idee, die von der grossen Mehrheit der Schweizer Frauen abgelehnt werde.

Auch wenn leider gemäss Statistiken gerade junge Frauen weniger am Stimm- und Wahlrecht interessiert sind, dies geschieht wohl kaum aus dem Grund, dass Frauen ihre Meinung ja indirekt über ihren Mann zum Ausdruck bringen können (auch dies vor 40 Jahren ein Argument gegen das Frauenstimmrecht!).

Nein, heute ist dieses Recht vielleicht zu sehr zu einer Selbstverständlichkeit geworden, um die zu kämpfen wir nicht mehr gewohnt sind.

Und vielleicht sind wir Aargauerinnen sogar etwas privilegiert. Zumindest wir CVP Frauen sind stolz auf unsere Grossrätinnen der ersten Stunde, auf unsere erste Grossratspräsidentin Elisabeth Schmid, auf unsere erste Aargauer Bundesrätin, Doris Leuthard und auch parteiübergreifend auf Stéphanie Mörikofer, erste Regierungsrätin und auf die vielen weiteren aktiv gewesenen und heute noch aktiven Frauen im Aargau.

Wie aber sind diese Frauen zu ihren Positionen gekommen? Nur mit Ihrem Charme?

„Ellbögeln“ hat für Frauen den Beigeschmack von Kampf und dies liegt uns Frauen nicht. Wie wäre es dann mit der Definition willensstark? Liebe Frauen, ich kann Ihnen versichern, ohne Ellbogen wäre Frau weder in Bundesbern noch in Chefetagen erfolgreich.

„Frauen arbeiten mehr“, das hingegen kann ich nur unterschreiben. Die Anforderungen an die Frauen sind nach wie vor höher als an Männer. Qualitativ und quantitativ. Frauen müssen Familie, Beruf, Politik unter einen Hut bringen. Zudem stellen wir an uns den Anspruch vorbereitet und gut informiert an eine Aufgabe heranzugehen. Im angesprochenen Artikel der AZ wird ein Unternehmer vorgestellt, der gerade aus diesem Grund nur Frauen einstellt. Auch dies vielleicht zu extrem, denn gerade der Mix, die Ansichten und Ideen beider Geschlechter sind wertvoll.

Auf  jeden Fall bringen wir Frauen „good covernance“ und andere Denkweisen mit. Damit könnten doch die Teppichetagen der Schweizer Firmen durchgerüttelt werden.
Um aber tatsächlich gehört zu werden, braucht es unser Engagement in vielfältigen Themen. Also auch in Finanz- und Wirtschaftsfragen, in der Steuer-, Verkehrs- und Energiepolitik. Ich wehre mich vehement, wenn ich wieder einmal – und dies oft auch von Frauen – nur auf sogenannt reine Frauenthemen reduziert werde. Frauen denken anders, gerade diese Themen betreffen aber nicht nur Männer, sondern uns und unsere Familien und Nachkommen.

Deshalb liebe Frauen:
„Lassen wir uns nicht von anderen diktieren, was wir zu tun haben. Beteiligen wir uns an den Wahlen und Abstimmungen! Kandidieren wir für politische Ämter! Eröffnen wir uns die Chancen zur Mitsprache! Gestalten wir unser Land! Gestalten wir unsere Zukunft!

Sind Sie auch dabei, wenn wir weiter „ellbögeln“?